Immobilienkauf – Risiken und persönliche Erfahrungen

Immobilienkauf am Lago Maggiore - Ablauf und Kosten

Wie findet man die richtige Immobilie am Lago Maggiore?

Unsere Immobiliensuche haben wir von Deutschland aus gestartet. Zunächst mit einer Online-Recherche über IDEALISTA mit den richtigen Suchfiltern. Auf IDEALISTA kann man auch in Deutsch und Englisch suchen, die meisten Beschreibungstexte der Immobilien sind ebenfalls übersetzt.

Dann haben wir Kontakt zu den lokalen Maklern aufgenommen und Besichtigungen vor Ort vereinbart. Gerade die persönliche Anwesenheit war entscheidend, denn Zustand, Lichtverhältnisse, Gerüche, Nachbarschaft und Umgebung lassen sich auf Fotos kaum realistisch beurteilen.

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, Besichtigungen über mehrere Tage zu planen. So lassen sich verschiedene Objekte besser vergleichen und man entwickelt schneller ein Gefühl für Preise, Lagen und typische Mängel.

Einige Immobilien haben wir sogar zu verschiedenen Tageszeiten noch einmal von außen besichtigt, um zu schauen, wie genau der Sonnenstand ist oder der Lärmpegel von der Straße oder aus der Nachbarschaft. Was wir auf jeden Fall wollten: Sonne, Sonne, Sonne, und das möglichst auch im Winter. Wenn das Haus dann nach Osten ausgerichtet oder von großen, schattenspendenden Bergen oder Bäumen umgeben ist, ist es nicht das, was wir wollen.

Was wir auf keinen Fall wollten: Dauerhaft lautes Hundegebell bei Dunkelheit oder Horden von Wanderern, die sonntags an unserem Traumhaus vorbei pilgern, welches unter der Woche verschlafen in der vermeintlichen Einöde liegt.

Wenn möglich, sollte man sich auch die Verkehrsverhältnisse im Sommer anschauen. Straßen, die außerhalb der Hauptsaison idyllisch und ruhig erscheinen, können im Hochsommer zu Motorrad-Rennstrecken mutieren.

Wir haben uns für unsere Immobiliensuche vor Ort eine Woche Zeit genommen und 8 Termine mit Maklern vereinbart. Um den Überblick zu behalten hab ich mir auf dem Tablet Screenshots der einzelnen Objekte und Google Maps gemacht und den Namen der Kontaktperson mit Handynummer dazu. Das Ganze hab ich mir in der Reihenfolge der Termine abgelegt und so hatte ich immer alles bildlich vor Augen und konnte meinen Liebsten (fast) ohne Irrwege ans Ziel navigieren.

Zum Preisniveau: Man sprach früher von der mageren (der Lombardischen) und der fetten (Piemontesischen) Seite des Lago Maggiore. An der westlichen Uferlinie stehen auch heute noch mehr hochherrschaftliche Villen und Grand Hotels als auf der gegenüberliegenden Seite. Hier haben schon im letzten und vorletzten Jahrhundert die Reichen und Adeligen aus Mailand aber auch aus der Schweiz und aus Deutschland ihre Ferien verbracht. Aber natürlich bietet auch das östliche Ufer grandiose Residenzen, es war aber traditionell eher weniger überlaufen. Natürlich ist keine Immobilie wie die andere und ein direkter Preisvergleich der beiden Seiten ist schwierig. Wir hatten jedoch nicht den Eindruck, dass das Preisniveau der beiden Seiten sich sehr unterscheidet. 

Erst jetzt, im Nachhinein, muss ich sagen, dass die Umgebung bzw. der nächste Ort zur jeweiligen Immobilie mindestens genauso wichtig ist, wie die Immobilie selbst. Wir haben eine Immobilie in der Toscana besichtigt – da wussten wir noch nicht, dass die Region um den Lago Maggiore landschaftlich das ist, was eigentlich am besten zu uns passt -, die war absolut makellos und hätte wunderbar zu uns gepasst. Glücklicherweise waren wir ein paar Stunden vor dem Besichtigungstermin in der Gegend und sind ein bisschen herumgefahren. Nein, in dieser Region wollten wir absolut nicht leben. Die Landschaft war sehr schön, aber die Ortschaften, Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie haben uns einfach nicht gefallen.

So ist es dann unser Häuschen in den Bergen, oberhalb eines liebenswerten Ortes am Ostufer des Lago Maggiore geworden. Aber auch hier haben wir unterschätzt, wie sehr sich ein Ort über die verschiedenen Jahreszeiten verändert: Wir haben den Ort im November das erste Mal besichtigt: Alles war sehr ruhig, einige Geschäfte und Restaurants über den Winter geschlossen, die Rollläden heruntergelassen und trotz des guten Wetters waren nur wenige Menschen unterwegs, augenscheinlich Einheimische, wenig Touristen. Genau unser Ding! Im August allerdings, wenn die Mailänder Ferien haben und ihre Häuser am See bevölkern, wenn unten im Ort fast jedes Wochenende eine Veranstaltung stattfindet, wenn man abends nur mit Reservierung in die Lieblings-Pizzeria kommt, dann ist es uns zu lebhaft und so verbringen wir den Hochsommer in Deutschland.

Bevor du in Italien eine Immobilie tatsächlich erwerben kannst, benötigst du eine personengebunden Steuernummer (codice fiscale), die du am besten bei dem Finanzamt beantragst, in dessen Zuständigkeit die Wunschimmobilie liegt. Jede Person, die später den Notarvertrag als Käufer unterschreibt, muss eine eigene Nummer haben. Auch bei vielen anderen Vorgängen – Eröffnung eines Kontos, Anmeldung von Strom, Wasser, Müll, Gas, Internet – wird häufig nach diesem codice fiscale gefragt. Die Beantragung geht relativ schnell. Wenn du mit einer guten Maklerfirma zusammenarbeitest, übernimmt diese für dich die Anmeldung. Falls du die Nummer selbst beantragen möchtest, findest du hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung (auf Englisch): How to apply for a Codice Fiscale

Welche Kosten entstehen beim Immobilienkauf?

Ist eine passende Immobilie gefunden, folgt in der Regel eine sogenannte „Proposta d’Acquisto“, ein schriftlicher Kaufantrag. Dieser wird häufig mit einer kleineren Anzahlung verbunden (in der Regel 2%) und signalisiert dem Verkäufer ernsthaftes Interesse. Das Formular dafür bereitet der Makler vor. (Apropos: Ich würde absolut davon abraten, ohne Makler eine Immobilie. zu kaufen, denn der bereitet alle Dokumente vor und hilft später auch beim Anmelden bei den Versorgern etc.)

Rechtlich ist das Proposta d’Acquisto noch nicht der endgültige Kaufvertrag, aber ein wichtiger Zwischenschritt, um Verbindlichkeit zu schaffen.

Darauf folgt meist der Vorvertrag, der „Compromesso“. In diesem werden Kaufpreis, Zeitplan, Übergabetermin und wichtige Details festgehalten. Ab diesem Punkt ist die Bindung deutlich stärker. Gerade hier sollte man genau darauf achten, was im Kauf enthalten ist, welche Möbel bleiben, welche Arbeiten noch erledigt werden sollen und welche Fristen gelten.

Bei uns war es dann so, dass nach Eingang dieser ersten Rate beim Verkäufer (es kann auch über ein Treuhandkonto gehen) in Anwesenheit der Maklerin von allen ein Vorvertrag (contratto preliminare) unterzeichnet wurde.

Viele Einzelheiten können individuell geregelt werden. So hatten wir beispielsweise großes Interesse daran, schon sehr frühzeitig einen Schlüssel zu bekommen, um mit einem Architekten schon die Renovierungsarbeiten zu planen. Deshalb hatten wir eine deutlich höhere Anzahlung geleistet (20%) und die Verkäufer haben uns direkt nach Unterzeichnung des Vorvertrags einen Satz Schlüssel übergeben.

In diesem Vorvertrag steht auch ein wichtiger Passus, nämlich dass die Immobilie baurechtlich einwandfrei ist.

Nachdem der Vorvertrag unterzeichnet war, wurde ein formaler Prozess in Gang gesetzt, der sich sehr von dem in Deutschland unterscheidet: Der Verkäufer muss nachweisen, dass sich die Immobilie in einem baurechtlich einwandfreien Zustand befindet. In der Regel beauftragt der Verkäufer einen öffentlich bestellten Gutachter damit, die Immobilie auf baurechtliche Korrektheit zu prüfen. Ich weiß nicht, ob ein Gutachter bei allen Immobilienkäufen verpflichtend ist, aber so sollte man es auf jeden Fall machen. Der Gutachter vergleicht im Detail die Immobilie mit den beim Katasteramt vorliegenden Unterlagen. Das betrifft sowohl das Grundstück und den Außenbereich als auch das Innere der Gebäude. In Italien sind viele Dinge auch im Innenbereich genehmigungspflichtig.

Sobald der Gutachter sein Gutachten erstellt hat und der Eigentumsübergang beim Finanzamt angezeigt wurde (das hat bei uns ebenfalls die Maklerfirma gemacht), kann der Notartermin gemacht werden. Dann ist auch der restliche Kaufpreis fällig, den wir auf ein Treuhandkonto bei der Notarin überwiesen haben.

Der eigentliche Abschluss findet schließlich beim Notar statt. Der italienische Notar übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Er prüft die Eigentumsverhältnisse, stellt sicher, dass keine Belastungen auf der Immobilie liegen, und sorgt für die korrekte Eintragung ins Grundbuch. Im Vergleich zu anderen Ländern ist der Notar in Italien eine sehr wichtige Absicherung für Käufer.

Anders als in Deutschland gibt es keinen verbindlichen Tarif für die Kosten des Notars. In unserem Fall waren die Kosten inklusive Vertragsübersetzung und Dolmetscherin deutlich günstiger als sie in Deutschland gewesen wären. 

Worauf man aber achten sollte ist Folgendes: Beim Kauf einer Immobilien fallen Steuern an. Wenn die Immobilie als Zweitwohnsitz genutzt wird, sind es 9% des Katasterwertes der Immobilie, wenn die Immobilie als Hauptwohnsitz genutzt wird, also tatsächlich in Italien die Residenzia angemeldet wird, sind es nur 2%. Aber keine Angst: Der Katasterwert liegt immer deutlich unter dem Kaufpreis der Immobilie, in unserem Fall betrug er nur rund ein Zehntel des Kaufpreises.

Achtung: In Italien wird nicht zwischen Erst- und Zweitwohnsitz unterschieden. Es gibt nur einen Wohnsitz (Residenza), aber man kann eine Immobilie besitzen und sich dort aufhalten. Wenn man seine Residenza in Italien anmeldet, wird man auch in Italien einkommenssteuerpflichtig und bekommt einen italienischen Personalausweis. Hier gelangt ihr zur Seite des Auswärtigen Amtes mit weiteren Informationen, falls ihr euch in Italien niederlassen wollt: Auswärtiges Amt

Wie läuft ein Immobilienkauf in Italien ab? In unserem Fall hat die Notarin den Kaufvertrag ins Deutsche übersetzen lassen und auch eine – sehr gute – Dolmetscherin für uns bestellt. So hatten wir parallel eine deutsche und eine italienische Vertragsversion zum Mitlesen vorliegen und bei Fragen hat die Dolmetscherin geholfen. Soweit so gut. Aber wie oben beschrieben ist der Teufel ein Eichhörnchen und steckt im Detail. Also bitte vergewissert euch doppelt über den baurechtlichen Status der Immobilie. Es ist ganz wichtig, dass ihr euch schon während des Kaufprozesses einen Architekten sucht, der einerseits bei der zuständigen Kommune gut bekannt ist (nur er weiß, ob, wo und wie man Dinge vereinfachen oder beschleunigen kann) und mit dem ihr euch andererseits sprachlich gut verständigen könnt, um gegebenenfalls rechtliche Feinheiten besprechen zu können.

Zum Thema Architekten kann ich aktuell noch keine Empfehlungen geben, aber mit der Notarin und vor allem mit der von ihr bestellten Übersetzerin waren wir sehr zufrieden. Die Webseite ist leider nur auf Italienisch, aber die Notarin Barresi in Varese spricht sehr gutes Englisch:

Olivia Barresi
FBV Notai Varese
https://www.fbvnotai.it

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