06 Sep. Tierarzt am Lago Maggiore
Unser persönlicher Erfahrungsbericht
Kaum am Lago Maggiore angekommen, brauchten wir dieses Mal gleich einen Tierarzt.
Schon in Deutschland hat unser Russischer Schwarzer Terrier Colja gekränkelt: Eine Hautentzündung mit schmerzenden, nässenden Ekzemen hatte uns zum Tierarzt getrieben, der uns – wie schon einige Male vorher – Antibiotika und eine entzündungshemmende Honigsalbe mitgab. Die Ursache für die Entzündungen haben wir bisher nicht gefunden, wahrscheinlich ein Insektenstich mit allergischer Reaktion oder – wie letzten Sommer – ein Biss von einer Aspisviper (ja, die gibt es hier und die sind giftig!). Da wir alles unter Kontrolle hatten und die Symptome deutlich nachließen, entschieden wir uns, die Fahrt an den Lago Maggiore wie geplant anzutreten.
Zwei Tage nach Ankunft unser Hund augenscheinlich starke Schmerzen. Er war matt und jammerte leise vor sich hin, was wir von unserem robusten Kerl so gar nicht kannten. Die Hautekzeme waren zurückgegangen, aber noch nicht verheilt. Ob es daran lag? Oder ein neuer Zeckenstich irgendwo im schwarzen Fell? Wir waren ratlos.
Schließlich suchte ich im Internet nach „Tierarzt Laveno Mombello“ – ja, tatsächlich habe ich die Suche auf Deutsch und mit konkreter Ortsangabe gestartet (die Suche „Tierarzt in der Nähe“ ergab andere, weniger geeignete Treffer). Mit Google Translate legte ich mir die passenden Sätze zurecht: „Mein Hund ist krank, wann haben Sie frühestens einen Termin für uns frei?“ Der Anruf in der Tierklinik in Cittiglio wurde gar nicht erst angenommen. Bei der 2. Nummer ging nur ein Anrufbeantworter an. Bei der 3. Nummer hatte ich Glück: Dr. Dario Bellorini (Tel. +39-0332 626396, Via C. Battisti 9, 21014 Laveno-Mombello) war selbst am Apparat. Und glücklicherweise sprach er sogar ein klein wenig Englisch. Ja, ich könnte sofort vorbeikommen, die Praxis sei nicht besonders voll.
Wie bitte? Das hier soll der Eingang zu einer Tierarztpraxis sein? Vorsichtig drückte ich die Klinke herunter. Ein kleiner Warteraum mit ein paar leeren Stühlen und eine verschlossene Tür, hinter der man Stimmen vernehmen konnte. Okay, eine Rezeption schien es hier nicht zu geben. Wir setzten uns brav in das ansonsten leere Wartezimmer, bis die Tür aufging, zwei ältere Damen mit kleinem Hund herauskamen und der Dottore uns hereinbat. Das Behandlungszimmer war schon ein bisschen in die Jahre gekommen und der Computer sah aus, als ob er noch irgendwo ein Diskettenlaufwerk versteckt hielt.
Mithilfe von Google Translate versuchten wir Coljas Vorgeschichte mit den Hautproblemen zu erklären und dem Dottore von den offensichtlichen Schmerzen zu berichten. Die in Deutschland verschriebenen Medikamente hatten wir dabei. Er schaute sich alles genau an, untersuchte Colja, maß Fieber und nahm Blut ab, was sich unser 54-Kilo-Brocken zum Glück anstandslos gefallen ließ. Ja, die Temperatur war erhöht und mit den Hautekzemen war der Dottore auch nicht richtig zufrieden.
Zum Schluß gab er uns ein anderes Antibiotikum und Schmerztabletten mit, mit der Empfehlung am nächsten Tag, wenn die Ergebnisse der Blutuntersuchung vorlagen, wieder vorstellig zu werden.
Nach durchwachter Nacht – unser kleiner Colja schrie vor Schmerzen – sind wir gleich am nächsten Morgen wieder zu Dr. Bellorini gefahren. Dieses Mal hatte ich, falls es komplizierter würde, meine Freundin und Italienischlehrerin Brigitte als Dolmetscherin dabei.
Ich berichtete von den offensichtlichen Schmerzen. Ja, die Blutuntersuchung zeigte eine Entzündung an, aber wo die sitzen könnte, war nicht klar. Ich deutete an, dass die Probleme vielleicht im Bauchbereich liegen könnten. Dr. Bellorini enthüllte ein etwas in die Jahre gekommenes Ultraschallgerät und machte sich an die Arbeit. Hin und wieder murmelte er etwas, um dann schließlich mit der Diagnose aufzuwarten: Prostata-Entzündung. Darauf muss man erst einmal kommen! Nun war es leicht, ein passendes, spezifisches Antibiotikum zu verschreiben und etwas gegen die wahnsinnig schmerzhafte Schwellung der Prostata. Puuuhhh, geschafft. Tatsächlich ging es unserem Colja bereits nach wenigen Stunden deutlich besser und nach einer Woche war der Spuk vorbei.
Für die Examination und die Blutuntersuchung haben wir rund 120,- EURO bezahlt – ähnlich viel wie wir in Deutschland bezahlt hätten. Lediglich die Medikamente, die man hier übrigens in der normalen Apotheke bekommt, waren deutlich teurer.
Ich kann Dr. Bellorini wirklich empfehlen. Er ist ein sympathischer, emphatischer, erfahrener Tierarzt, der ohne großes Tamtam einfach seine Arbeit macht. Inzwischen habe ich auch von anderen Deutschen gehört, dass sie mit Dr. Bellorini sehr zufrieden waren.
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