04 Juni Ziegenkäserei Capre e Cavoli
Milder Ziegenkäse direkt vom Erzeuger
Die Straße wird immer steiler und enger, es rumpelt, der Kleinwagen meiner Freundin Brigitte knallt in ein Schlagloch und ich befürchte das Schlimmste: Wir haben uns bestimmt verfahren und jetzt einen Platten. Doch sie bleibt relativ lässig: „Keine Angst, ich bin hier schon oft hochgefahren. Da hinten müssen wir links. Glaube ich. Oder rechts…“ AHA! Doch wenige Minuten später stehen wir tatsächlich vor dem urigen, einsam gelegenen Haus von Chiara und ihrem Mann Renato. Wir klingeln. Von irgendwoher kommt eine Frauenstimme, die uns auffordert, doch einfach schon mal reinzukommen. Wir stehen in einem kleinen Vorraum und durch ein Fenster sehen wir den Produktionsraum, wo schon diverse Käse auf einem Tisch ruhen und frische Molke aus einem Sack tropft. Ich bin im Paradies, denn für Ziegenkäse mach ich so einiges… Und schon kommt die quirlige Chiara um die Ecke, setzt sich ihre kecke Mütze auf und fragt nach unseren Wünschen.
Wobei so ganz „wünsch dir was“ ist es bei Chiara nicht. Es gibt halt, was gerade reif ist. Für uns zur Auswahl: Weichkäse, junger Hartkäse, Ricotta und Joghurt. Ich nehme von allem ein bisschen und noch eine Ziegen-Salami obendrauf! Der Blauschimmelkäse, auf den ich es eigentlich abgesehen hatte, war leider noch zu jung. Der braucht noch einige Wochen. Kein Problem… Vorfreude…
Chiara und Renato machen nur Direktvertrieb. Ein Großteil des Käses geht in die örtlichen Restaurants oder wird auf Festivals verkauft. Und sie haben eine WhatsApp-Liste und schreiben jeweils Dienstags, was es in den kommenden Tagen an ihren festen Verkaufsständen und Zeiten gibt und dann kann man es direkt dort kaufen. In Laveno Mombello zum Beispiel Donnerstags, 18 Uhr vor dem Coop.
Der Ziegenpeter heißt Renato
Während Chiara sich um die Käse- und Wurstproduktion, die Vermarktung und die Zahlen kümmert, ist ihr Mann Renato für die Ziegen zuständig. Seine 37 Schützlinge dürfen frei in der Natur grasen. Renato entscheidet wann und wo. Ganz traditionell treibt er sie dorthin, wo gerade besonders tolle Kräuter wachsen oder wo das Gras gerade besonders üppig ist. Den ganzen Tag verbringt er draußen bei den Ziegen. Er macht das seit 25 Jahren und kann sich nichts Schöneres vorstellen. Langweilig wird ihm nicht. „Es ist wie wenn du mit einer Schulklasse unterwegs bist. Man muss immer ein Auge drauf haben, was die Kinder wieder anstellen, dass sie keine giftigen Kräuter fressen und sich nicht streiten.“ Alle Ziegen haben einen Namen, den Renato natürlich kennt. Lustigerweise gibt Renato ihnen im Laufe ihres Lebens manchmal auch mehrere Namen, je nachdem, welche typischen Eigenschaften seine Schützlinge entwickeln.
Normalerweise werden Ziegen zur Milchproduktion nur vier bis fünf Jahre gehalten. Renatos Ziegen dürfen bleiben, bis sie zehn werden. Sie produzieren dann nur noch wenig Milch oder stehen trocken, aber sie früher abzugeben oder zu schlachten bringt er nicht übers Herz. Oft verschenkt er Ziegen, die keine Milch mehr produzieren, an Gartenbesitzer, die sie als Rasenmäher nutzen.
Durchschnittlich drei Liter pro Tag gibt eine Milchziege während einer Laktationsphase, die ungefähr acht Monate dauert, danach stehen die Ziegen einige Monate trocken. Drei Liter pro Ziege und Tag sind nicht viel. Das ist der Grund, warum Chiara bei ihren Produkten eine möglichst hohe Veredelungsstufe anstrebt, um aus einem Liter Milch den größtmöglichen Ertrag zu erzielen.
Die Familie kommt gut aus mit dem, was die Ziegen und ihre kleine Ferienwohnung einbringen. Zwei Kinder sind aus dem Haus, die kleine Tochter muss mit dem Auto zur Schule gefahren werden.
Fun Fact am Rande: Der große Sohn hatte als Kind außer den Ziegen lediglich ein Schlagzeug zur Freizeitgestaltung zur Verfügung. So hat er tagaus, tagein auf seinem Schlagzeug herumgehämmert und ist jetzt Schlagzeuger in der international bekannten Heavy Metal Band Frozen Crown.
Meine Freundin Brigitte und ich machen uns auf den Heimweg. Glücklicherweise haben die Reifen durchgehalten, lediglich eine Radkappe fehlt, die wir dann glücklicherweise in einer scharfen Kurve wiederfanden.
Wer Capre e Cavoli besuchen möchte sollte also ein robustes Auto fahren. Kontakt: http://www.capreecavolivararo.it/
Sorry, the comment form is closed at this time.